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Cashmere and Camel Hair Manufacturers Institute

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Der Flaum, der aus der Kaelte kommt
 
Tages - Anzeger
Samstag, 29, September 2001


Edles Kaschmir, ein Luxusprodukt schlechthin, wird knapp und darum noch teurer. Im letzten Winter sind in der Mongolei viele Ziegen erfroren.

Von Sonja Hugentobler

Kaschmir -- das steht fuer Weichheit, Waerme, Luxus. In letzter Zeit haben die Modeschoepfer den sagenhaften Stoff fuer ihre Kreationen wieder entdeckt -- und die grosse Nachfrage hat die Preise fuer die Wolle der Kaschmirziegen in den letzten zwei Jahren verdreifacht.

Nun werden die Launen der Natur den Rohstoffpreis vermutlich nochmals in die Hoehe treiben, denn im letzten, bitterkalten Winter ist in Nordchina und der Mongolei bei Minus 50 Grad ein Grossteil der Kaschmirziegen -- lat. Capra hircus -- erfroren. Wie hoch die Preise letztlich klettern werden, ist freilich schwer vorauszusagen. Noch sind die Lager der Haendler voll.

Die Bezeichnung Kaschmir geht zurueck auf die indische Provinz Kashmir, wo Europaeer im 19. Jahrhundert erstmals auf en edlen Flaum aufmerksam wurden. Damals war Tibet Hauptlieferant der Rohfasern. In Kashmir wurden sie weiterverarbeitet. Der Lebensraum der Kaschmirziege erstreckt sich vorwiegend ueber die nordchinesischen und mongolischen Hochplateaus in 4500 Meter Hoehe rund um die Wueste Gobi. Gehalten werden die Tiere von nomadisierenden Bauern. In diesen unwirtlichen, eisig-trockenen Regionen fuehlen sich die Ziegen bei Temperaturen bis zu minus 35 Grad wohl. Je hoeher gelegen und je kaelter die Weiden sind, umso mehr Unterwolle produzieren sie und desto hochwertiger wird auch ihr Vlies.

Industrialisierte Welt profitiert

Vor Hunderten von Jahren brachte der feine, weiche Flaum den Ziegenbesitzern noch grossen Reichtum ein. Damals galt es, nich nur die Ziegen vor missliebigen Nachbarn oder Raeubern zu verstecken, sondern auch das Geheimnis der Webkunst sorgfaeltig zu hueten. Jeder wollte den Ziegenflaum fuer sich, um allein vom Verkauf der kostbaren und begehrten Ware zu profitieren.

Schon lange allerdings sind es nicht mehr die Besitzer der Ziegenherden und die Weber, die sich mit der weichen Wolle eine goldene Nase verdienen. Heute hat die industrialisierte Welt einen Grossteil des wertvollen Kaschmirroh-materials fuer sich vereinnahmt und laesst in China den Edelzwirn der Hochland-ziege in Massenproduktion verarbeiten. Exklusive Artikel aus Kaschmir lassen beinahe vergessen, mit welch grosser Muehsal die Ziegenbauern in barbarischer Kaelte und Einsamkeit unter Einsatz aller erwachsener Familienmitglieder den Luxusflaum erarbeiten, der bis heute die Existenzgrundlage ihres kargen und harten Lenens geblieben ist.

Etikettenschwindel

Das edle Material wird knapp, die Nachfrage wird groesser. Kein Wunder, greifen Produzenten vermehrt zu faulen Tricks. Sie mischen reinem Kaschmir weniger edle Naturfasern wie Schafwolle oder getrimmtes Kamelhaar bei oder ueberziehen Schafwolle mit Silikon sowie anderen chemischen Weichmachern und deklarieren das Ergebnis dann als 100 Prozent Kaschmir. Doch wo 100 Prozent draufsteht, sind nicht immer 100 Prozent drin. Fuer einen Pullover zum Beisppiel braucht es den Flaum von sechs weiblichen oder zwei maennlichen Tieren (siehe Kasten).

40 Millionen Kaschmirziegen gibt es weltweit, demzufolge koennten etwa 6,6 Millionen Pullover hergestellt werden. Im Handel werden jedoch wesentlich mehr angeboten.

Schal des Maharadschas

Der grosse Run auf die Pashmina-Schals hat in juengster Zeit einer weiteren Schummelei Vorschub geleistet. Derzeit kommen immer mehr so genannte Pashminas in den Handel, die im besten Fall mit Seide gemischt sind, sehr oft aber mit minderwertigem Acryl, mit Viskose oder anderen Fasern. Bis vor drei Jahren war die Bezeichnung Pashmina hier zu Lande kaum bekannt. Heute gehoert der wie eine Stola locker um die Schultern getragene Schal zu den Statussymbolen einer verwoehnten Kundschaft. Urspruenglich waren Pashminas reich bestickte rund zwei Meter lange Stolen, die sich im Mittelalter nur gerade Maharadschas und die wohlhabendsten Damen der Gesellschaft leisten konnten -- sie waren eine Kostbarkeit, die sie ihren Toechtern weiter vererbten. Doch weil in der letzten Zeit immer mehr verunreinigtes Kaschmir verkauft wurde, gab die Modewelt dem wirklich echten Unterflaum der Kaschmirziegen den Namen Pashmina.

Die Dachorganisation der Kaschmirverarbeiter CCMI in Mailand und Boston, in der sich die siebzehn groessten Hersteller aus Europa, den USA und Japan zusammengeschlossen haben, warnt vor Etikettenschwindel und raet Anbietern von Kaschirprodukten, Stichproben von anerkannten Pruefungsanstalten untersuchen zu lassen. In der Schweiz is dafuer das Textilpruefungsinstitut Testex in Zuerich zustaendig. Ein Test mit dem Rasterelektronemikroskop kostet zwischen 120 und 636 Franken; die Wartezeit betraegt rund zwei Wochen. Der CCMI enttarnte im vergangenen Jahr 70 Prozent der eingesandten Verdachtproben als Mischungen, obwohl sie als reines Kaschmir etikettiert waren.

Kaschmir muss teuer sein

Leider laesst sich reines Kaschmir von blossem Auge kaum von einer Imitation unterscheiden. Abgesehen davon gibt es ganz unterscheidliche Qualitaeten von Kaschmir. Die hochwertigste Faser hat eine Feinheit von 0,0145 mm Durchmesser, ist zwischen 35 und 50 mm lang und kann bis zu 10-faedigen Garnen gesponnen werden. Mindere Qualitaeten haben duennere und kuerzere Fasern, die vermehrt zu Knoetchenbildung neigen und eine niedrigere Spannkraft haben. Daraus wird schliesslich das preisguenstigere Kaschmir hergestellt -- es landet als Sonderangebote in den Kaufhaeusern. Diese Qualitaeten sind meist zweifaedig gesponnen und ergeben ein super leichtes Produkt.

Hochwertiges Kaschmir kann nich billig sein. Ein Twinset kostet heute rund 1500 Franken. Demnaechst wird man wohl mit run 2000 Franken rechnen muessen. Beim Kauf sollte man darauf achten, dass das Material kleinmaschig ist, sich super weich anfuehlt, aber nicht allzu flaumig aussieht. Ausserdem ist Kaschmir eher matt und nicht glaenzend wie Mohair. Wer also einen Kaschmirpulli fuer 200 Franken kauft, darf nicht erwarten, erstklassig feine, langfaedige und mehrfach gezwirnte Ware zu erwerben, auch wenn Warenhaeuser durch den Einkauf von Grossmengen in China in der Lage sind, ein gutes Preis-Leistungs-Verhaeltnis anzubieten.


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